Neben der Spur

Ja, auch das noch. Ein Hinweis in eigener Sache, neben, aber nicht völlig außerhalb der Spur dieses Blogs. In wenigen Tagen erscheint im Herder-Verlag nämlich ein ganz spezielles Kinderbuch für (durchweg) katholische (meist) Drittklässler „Auf dem Weg zur Erstkommunion“, an dem meine Frau und ich insgesamt zwei Jahre gearbeitet haben und zu dem es dann auch noch ein Erwachsenen-Begleitbuch gibt (eigentlich ist das Ganze andersrum konzipiert, aber dann passt es nicht so gut hierher).

Wer es etwas genauer wissen will:

Jutta & Markus Tomberg, Auf dem Weg zur Erstkommunion. Das Mitmachbuch für Kinder, Freiburg/Br. 2017 (Herder), ISBN 978-3-451-37756-3.

Für Interessierte und Neugierige gibt’s eine Vorschau.

 

Und das Buch für die Erwachsenen:

Jutta & Markus Tomberg. Auf dem Weg zur Erstkommunion. Das Materialbuch für Katechetinnen und Katecheten, Freiburg/Br. 2017 (Herder), ISBN 978-3-451-37755-6.

Auch hier eine Vorschau.

Weitere Informationen hier.

 

„Dahinter sieht man die Stadt“ (Woltz, Gips)

Was für ein gruseliges Buch.

Jedenfalls dann, wenn man abgetrennte Fingerkuppen, eine gerissene Milz, schwerwiegende Herzerkrankungen und manches weiteres weder in der Realität noch in der Fiktionalität schätzt. Ich jedenfalls, in dieser Hinsicht durch und durch zart besaitet, habe immer wieder beim Lesen die Augen zugekniffen.

Tief durchgeatmet.

Vorsichtig geblinzelt.

Und, na ja, irgendwann kam die letzte Seite in Sicht.

Das viele Blinzeln wiederum brachte Zeit zum Nachdenken. Auch über dieses Buch und über meine Absicht, hier, an dieser Stelle, nicht nur hin und wieder und im Halbjahresabstand etwas über aktuelle Kinder- und Jugendbücher zu schreiben. Deshalb ein blinzelnder Neustart. Es geht um

Anna Woltz, Gips oder Wie ich an einem einzigen Tag die Welt reparierte, Hamburg 2016 (Carlsen), ISBN 987-3-551-55676-9.

Dem Buch ist vor wenigen Wochen der diesjährige Katholische Kinder- und Jugendbuchpreis zuerkannt worden (außerdem ist es für den deutschen Jugendliteraturpreis nominiert), das hat mich zum Durchhalten ebenso motiviert wie die nicht so ganz klassisch-katholische Geschichte über ein frisch geschiedenes Elternpaar, das im Rahmen dieser Welt-Reparatur-Geschichte dann doch nicht wieder zusammenfindet, sondern, zumindest was den männlichen Teil angeht, gerade noch mit dem Leben davon kommt und dessen Ringe für eine neue Liebesgeschichte recycelt werden. Felicia oder Fitz, die mit ihrer Neu-Selbst-Benennung allen signalisieren will, dass sich in ihrem Leben Bedeutsames getan hat, erzählt, die Geschichte beginnt in einem Schneeunwetter und zieht sich nach wenigen Seiten in ein Krankenhaus zurück, das von nun an und wenigstens den erzählen Tag lang die Welt der Protagonisten darstellt. Bente, Fitz‘ Schwester, hat bei einem Schneeunfall nämlich ihre Fingerkuppe verloren, an einem Vatertag kurz nach der Scheidung, deshalb fährt der Vater mit beiden Töchtern ins Krankenhaus, die aber, wohl die Beherztere in der lädierten Familie, von den Mädchen vehement eingefordert wird und auch bald erscheint. Wetterbedingt ist die Notaufnahme überfüllt, bis Bentes Fingerkuppe wieder angenäht werden kann, vergeht Zeit und ereignet sich Geschichte, der Vater nämlich, Mitbeteiligter an Bentes Schneeunfall, bricht zusammen und muss notoperiert werden. Das alles geschieht, während Fitz durch die langen Gänge des Krankenhauses streift und ganz weit oben

„Vor mir türmt sich eine riesige Glaswand auf. Dahinter sieht man die Stadt. Nicht ein paar Straßen, nicht ein halbes Viertel, sondern die ganze Stadt.“ (Woltz, Gips, 29)

auf Adam und seine Geschichte trifft, dann auf Primula,

„seit elf Tagen gefangen“ (Woltz, Gips, 54)

in dieser kleinen Welt, dafür mit einer Riesennarbe und einer neuen Herzklappe ausgestattet. Die drei retten die Welt: Adam beginnt, seinen Bruder zu lieben, Primula gewinnt eine Freundin und mit ihr das Leben zurück, Fitz wiederum ahnt, dass Adam ihr etwas bedeutet, beginnt die Trennung ihrer Eltern zu akzeptieren und hat auch noch einen Plan, wie Yasmine und Dr. De Gooier, ganz Krankenhausromanze, zu einem Paar werden könnten. Für diese beiden sind die Eheringe.

Mehr zu erzählen verbietet hier der Respekt vor den Krankengeschichten der beteiligten Personen – nein, im Ernst: das Gesagte muss reichen, um die Geschichte von einer Welt im Gips, einer verwundeten Welt, die niemals völlig heil sein wird, in der aber auch zwei Drittel aller Ehe-Liebes-Geschichten ohne Scheidung auskommen, eine trotzige Geschichte, pubertär und voller Sehnsucht, um diese Geschichte zu beschreiben.

Weniger zart besaitete Seelen können sie ja auch lesen. Auch die Geschichte vom Gips. Vielleicht sogar ohne zu blinzeln. Die vom Gips bestimmt, denn der ist nur Fake. Aber das andere, bei dem Blinzeln zwar keine Lösung, aber ein Weg ist, auch. Und vielleicht ist Blinzeln ja auch ein Modus, mit dieser Welt zurecht zu kommen. Nicht jeder hat ja eine

„riesige Glaswand“

zur Verfügung, vor der man Adam trifft und vor der

„es einem vor(kommt), als würde man plötzlich erkennen, wie alles zusammenhängt.“ (Woltz, Gips, 29)