Eine Gottesgeschichte besonderer Art ist Der satanarchäolügenialkohöllische Wunschpunsch von Michael Ende (1989, ich zitiere nach der Ausgabe München 2005). Denn es geht um Teuflisches: Beelzebub Irrwitzer hat seine jährliche Menge böser Taten noch nicht vollbracht, ihm droht die höllische Pfändung – ebenso wie seiner Tante Tyrannja Vamperl. Nur das Rezept des satanarchäolügenialkohöllischen Wunschpunsches, in dessen Teilbesitz sich beide besitzen und der sie zu einer Kooperation auf Zeit zwingt, kann sie im Silversterabend in die Lage versetzen, ihre zerstörerische Aufgabe noch rechtzeitig ins Werk zu setzen.
Religionspädagogisch interessant sind vor allem – unter der moralisierenden Oberfläche – Bemerkungen über Zauberei, die tiefere Einblicke in dieses (übrigens abgründig neuzeitliche) Konzept der Weltbewältigung erlauben, auf das auch andere Zaubereigeschichten, nicht zuletzt die Harry-Potter-Romane, aber auch, um ein weiteres Beispiel zu nennen, Otfried Preußlers Erzählung Die kleine Hexe, zurückgreifen.
“Zauberei – gleich, ob gute oder böse – ist durchaus keine einfache Angelegenheit. Die meisten Laien glauben zwar, es genüge schon, irgendeine geheime Hokuspokus-Formel zu murmeln, äußerstenfalls gehöre vielleicht noch ein Zauberstab dazu, mit dem man ein bisschen herumfuchtelt wie ein Kapellmeister – und fertig sei die Verwandlung oder Erscheinung oder sonst was.
Aber so ist das eben nicht. In Wirklichkeit ist jede Art von magischer Handlung ungeheur kompliziert; man braucht dazu ein enormes Wissen, eine Unmenge von Zubehör, Material, das meist sehr schwer zu beschaffen ist, und tagelange, manchmal monatelange Vorbereitung. Dazu kommt noch, dass die Sache immer höchst gefährlich ist, denn schon der kleinste Fehler kann völlig unabsehbare Folgen haben.” (Ende, Der satanarchäolügenialkohöllische Wunschpunsch, 20f.)
Zauberei ist nichts anderes als pervertierte Rationalität (“die Macht des Wissens”, nennt es Ende – ebd., 180), hyptertrophe Kausalität, die in ihr Gegenteil umschlägt. Dass sie bei Ende vor allem als böse dargestellt wird – für das Gute ist der “Große Kater im Himmel” (ebd., z.B. 118 und 177) zuständig – und mit der “Macht des Geldes” (ebd., 180) eine unheilige Allianz eingeht, erlaubt Einblicke in die Versuchung der verschiedenen Mächte, denen Menschen ausgesetzt sind (und sich selbst aussetzen) und deren zerstörerische Kraft wir heute, gut zwanzig Jahre nach der Erstveröffentlichung der Erzählung, vielleicht noch klarer sehen.
Theologisch lassen sich von hier aus – mit Thomas Ruster – möglicherweise Beziehungen herstellen zu dem Gott aller Mächte und Gewalten, der der scheinbaren Allmacht von Rationalität und Kausalität eine Ohnmacht besonderer Art entgegensetzen kann. In Endes Erzählung begegnet eine Ahnung davon in der Gestalt des heiligen Silvester.
“‘In der Ewigkeit”, sprach er, “leben wir jenseits von Raum und Zeit. Es gibt kein Vorher und kein Nachher und auch Ursache und Wirkung folgen einander nicht, sondern sind ein immer währendes Ganzes.” (Ende, Der satanarchäolügenialkohöllische Wunschpunsch, 163).
Eine anregende Silvesterlektüre ist der Text allemal.