Religionspädagogische Cliffhanger, fachdidaktische Herausforderungen und eine plötzliche Berührung mit der Realität: Aus der Werkstatt

Die Hoch-Zeit des Semesters ist keine gute Zeit, Bemerkungen zu Gelesenem in lesbare Worte zu fassen – und dann bekommt das Gelesene doch urplötzlich ungeahnte Aktualität: so werden es doch ein paar Zeilen mehr als der ursprünglich angedachte Werkstattbericht über Texte, die mir als religionspädagogisch relevant und einer näheren Auseinandersetzung wert in den letzten Wochen untergekommen sind:

Goodspeed etwa von Beth Revis, eine Trilogie, von der ich bislang erst den ersten Band gelesen und verwundert registriert habe, dass seine Widmung auf den Worten

Dei gratia (Revis, Godspeed. Die Reise beginnt, Taschenbuchausgabe, Hamburg: Oetinger 2013, 4)

endet und das Religionenthema (neben vielen anderen Fragen der Anthropologie und der Sozialität) sehr betont eingeführt,

„‚Diese Schiff heißt Godspeed‘, sage ich und rücke das Kreuz so zurecht, dass es in der Mitte meiner Brust liegt.

‚Godspeed bedeutet nur gute Reise.‘

Ich wende mich von Junior ab und betrachte die vielen kleinen Türen, hinter denen gefrorene Menschen liegen. ‚Es bedeutet mehr als das.'“ (Revis, Goodspeed. Die Reise beginnt, 2013, 234),

dann aber nicht weiter ausgeführt wird: ein religionspädagogischer Cliffhanger sozusagen, den ich bislang aber noch nicht weiter verfolgt habe, später also dazu vielleicht mehr.

Auf Calpurnias (r)evolutionäre Entdeckungen von Jacqueline Kelly (üb. Birgit Kollmann, München: Hanser 2013) bin ich – wie schon so oft – über meine Kinder aufmerksam geworden und noch nicht einmal ganz durch, kann aber schon bemerken, dass es um ein fachdidaktisch brisantes Thema, den Konflikt zwischen christlichem Schöpfungsglauben und Evolutionstheorie geht, der hier im Gewand eines historischen Jugendromans daherkommt, auch dazu: später vielleicht mehr.

Dann aber, ebenfalls angestoßen von meinen Kindern und deren Schullektürue, und während ich beginne, dies zu schreiben, plötzlich von drängender Aktualität, weil beim Seitenblick in die Zeitung mir der Name des Autors in die Augen sticht, Henning Mankells großartige Joel-Reihe: Der Hund, der unterwegs zu einem Stern war, Die Schatten wachsen in der Dämmerung, Der Junge, der im Schnee lief und Die Reise ans Ende der Welt (verschiedene Ausgaben): eine Art Entwicklungsroman, der immer wieder an die Grenzen der Existenz vorrückt, religiöse Fragen umspielt und an die Peripherie von Menschsein und Gesellschaft gelangt, gar an ihr spielt und mich mehr und mehr berührt hat. Und gerade lese ich, dass Henning Mankell gestern auf seiner Website von seiner Krebsdiagnose berichtet hat – diesmal nicht als literarische Fiktion, sondern bedrängend wirklich: die besten Wünsche für ihn, der mir als Erzähler vertraut, als Mensch aber unbekannt ist – und doch verwandt.