Ankündigungen

Wenig geschieht derzeit auf diesen Seiten – meine Arbeitsschwerpunkte liegen derzeit anderswo. Dennoch gibt es Einiges anzukündigen:

1. Die Vorträge, die während des Kontaktstudiums im Sommersemester 2015 an der Theologischen Fakultät Fulda gehalten wurden (von Georg Langenhorst, Anne Holterhues, Christina Heidler und mir) erscheinen voraussichtlich zu Beginn des kommenden Jahres in Buchform.

2. Im nächsten Eulenfisch des Bistums Limburg gibt’s ein paar Zeilen von mir zu Kate DiCamillo, Flora & Ulysses.

3. Am 23. Juni 15 bin ich in Loccum zu einem Vortrag im Rahmen einer Fortbildungstagung.

4. Am 24. Juni 15 freue ich mich auf einen Studientag und eine Lesung mit Kirsten Boie in Koblenz.

Wir sehen | lesen uns?

Heldengeburten (Kate DiCamillo, Flora & Ulysses)

„Die Vorstellung, dass Wörter über einem schwebten, hatte etwas Beruhigendes. Vor allem, wen es böse Wörter waren. Über Romantik zum Beispiel.“ (DiCamillo, Flora & Ulysses, 12)

Flora hat es auch wirklich nicht leicht. Als Tochter einer Schriftstellerin mit einem Faible für Liebesromane, selbst aber geschieden, sind ihr die Texte und Wörter, die ihre Mutter verfasst, suspekt geworden. Flora liebt vielmehr Comics: Geschichten, in denen die Wörter schweben lernen, über den Figuren und Bildern in der Luft hängen. Kate DiCamillos Kinderroman Flora und Ulysses. Die fabelhaften Abenteuer (München 2013) ist im Frühjahr von der Jury des Katholischen Kinder- und Jugendbuchpreises auf die Empfehlungsliste gesetzt worden, und die turbulente Geschichte wird konsequenter Weise nicht nur als fortlaufender Text und in ganzen Sätzen erzählt, sondern immer wieder von Comicseiten, gezeichnet von K.G Campbell, unterbrochen: damit die Wörter auch ganz handgreiflich das Schweben lernen und an Leichtigkeit gewinnen.
Und so werden Helden geboren. Wie das geht, erklärt Kate DiCamillo ihren Leserinnen und Lesern ganz plastisch: Helden werden geboren, wenn die Wörter an Bodenhaftung verlieren und das Unmögliche nur einen Halbsatz entfernt ist:

„Man kann nie wissen, was für eine Art von Satz man sagen wird, dachte Flora. Sie wäre zum Beispiel nie auf die Idee gekommen, dass sie jemals rufen würde: ‚Sie saugen ein Eichhörnchen weg!‘“ (DiCamillo, Flora & Ulysses, 13)

Bei Flora und Ulysses ist es nämlich ein Staubsauger, der zuerst einem Eichhörnchen und dann den das Eichhörnchen beschreibenden Wörtern die Bodenhaftung raubt und dadurch einen Superhelden gebiert. Zumindest für Flora:

„Es war ein Eichhörnchen.
Konnte es gleichzeitig ein Superheld sein?“ (DiCamillo, Flora & Ulysses, 27)

Für Flora ist das keine Frage. Ihrem Lieblingscomichelden Mister Blitz sieht man das Superhelddasein ja auch nicht an. Helden sind unscheinbare Figuren, wenigstens allermeistens.

„Alfred T. Slipper war ein Hausmeister. Die meiste Zeit beachteten die Menschen ihn nicht weiter. Manchmal (ziemlich oft sogar) behandelten sie ihn mit Geringschätzung. Sie hatten keine Ahnung von den erstaunlichen Heldentaten, dem blendenden Licht, das sich hinter seinem unscheinbaren Äußeren verbarg.
Nur Papagei Dolores wusste, wer er war und welche Fähigkeiten er hatte.“ (DiCamillo, Flora & Ulysses, 27f.)

Als Mister Blitz nämlich rettet Alfred T. Slipper in Floras Comic- und Phantasiewelt immer wieder mindestens die Welt. Warum also sollte das nicht auch für ein Eichhörnchen gelten, das ein Staubsauger verschluckt, das ein Mädchen wiederbelebt hat und das von nun an auf den Namen „Ulysses“ hören wird? So nämlich werden Helden geboren: wenn Wörter oder Eichhörnchen die Bodenhaftung verlieren.