Interkulturelles Lernen: Mariä Himmelfahrt mit der „Lesemaus“

In der „Lesemaus“-Reihe des Carlsen-Verlags (www.lesemaus.de) erscheint, empfohlen von der Stiftung Lesen, eine Reihe mit dem Titel „Alle Kinder dieser Welt„, herausgegeben von Myriam Halberstam, die sich dem interkulturellen, dabei auch dem interreligiösen Lernen widmet. Eines der gerade 24 Seiten starken Hefte für, so die Verlagsangabe, Kinder ab 3 Jahren widmet sich dem Judentum (Myriam Halberstam, mit Ill. von Julia Späth, Lena feiert Pessach mit Alma, Lesemaus Bd. 197, Hamburg 2010). Ein Grußwort von Charlotte Knobloch und beratende Tätigkeit des Zentralrats der Juden in Deutschland signalisieren Solidität; die kurze Geschichte – Lena ist bei ihrer neuen Freundin Alma zum Pessach eingeladen und erfährt zu diesem Anlass einiges über Geschichte und Ritus dieses Festes; die Bilder unterstützen den Text angemessen – führt verständlich in diese jüdische Tradition ein. Dass es sich um einen, wenn man so will, Sachtext in Erzählform handelt, ist angesichts des geringen Umfangs des Bändchens kaum anders zu erwarten.

Nachdenklich stimmt ein anderer Band aus der Reihe. Jana und Teresa feiern Himmelfahrt, Lesemaus Bd. 194, von Bogda Pana mit Bildern von Katja Bandlow, Hamburg 2010, erzählt vom (katholischen) Fest der Aufnahme Mariens in den Himmel. Hier steuert Rita Süssmuth das Vorwort bei, Beratertätigkeiten nahm das Deutsche Polen-Insittut e.V. wahr. Es geht um Jana und ihre beste Freundin Teresa. Teresa stammt aus Polen. Sie trug bei der ersten Begegnung der beiden ein Kreuz.

„‚Wieso hast du so ein Kreuz?‘, hatte sie damals neugierg gefragt. ‚Das habe ich geschenkt bekommen‘, hatte Teresa geantwortet. Teresa ist katholisch und geht mit ihren Eltern jeden Sonntag in die Kirche.“ (Jana und Teresa feiern Himmelfahrt, 2. unpaginierte Seite)

Das Bändchen informiert, in der Erzählstruktur gleichfalls in der Form eines als Erzählung gestalteten Sachtextes, darüber, dass in Teresas Familie zu Tisch gebetet wird –

„Jana findet das schön feierlich.“ (Jana und Teresa feiern Himmelfahrt, 4. unpaginierte Seite) ,-

aber auch vor dem Schlafengehen.

Im Zentrum steht aber der Himmelfahrtstag – gemeint ist „Mariä Himmelfahrt“.

„‚Wir Katholiken feiern an diesem Tag, dass Maria in den Himmel gekommen ist. Wir danken Maria dafür, dass sie sich entschieden hat, die Mutter Gottes zu werden, und ihm so den Weg auf die Erde bereitet hat. Und wir danken Gott dafür, dass er so gut für uns sorgt.'“ (Jana und Teresa feiern Himmelfahrt, 13. unpaginierte Seite).

Kurios wirken sprachliche Ungenauigkeiten:

„‚Jetzt beten wir für Maria und die Kräuter‘, erklärt Tadeusz.“ (Jana und Teresa feiern Himmelfahrt, 18. unpaginierte Seite)

„Tante Martha hängt den [Kräuter-] Strauß mit den Blüten nach unten über der Eckbank am Esstisch auf. ‚So beschützt er uns vor Krankheiten‘, erklärt sie.“ (Jana und Teresa feiern Himmelfahrt, 22. unpaginierte Seite).

Aufgefallen ist mir das Bändchen jedoch nicht deswegen, sondern wegen seiner Darstellung des Katholizismus als einer Migrantenreligion. Nahezu alle im Heft genannten (Fest-) Bäuche (Kräuterweihe, Lichterprozession, Tisch- bzw. Abendgebet, Schmuckkreuze) finden sich auch hierzulande – und nur, wer genau hinschaut, entdeckt, dass der Gottesdienst und die Marienprozession, die in dem Heft erzählt werden, nicht in Polen gefeiert werden.

Religionspädagogisch scheint mir dieser interkulturelle Zugang zum katholischen Christentum höchst bemerkenswert: es wird zur „Fremdreligion“, der man sich mit freundlicher Neugier und rücksichtsvoller Distanz nähert. Problematisch dabei: die informativ aufgemachten Lesemaus-Hefte sind nicht nur Ausdruck einer bestimmten Weltwahrnehmung, sondern prägen diese auch mit. Und diese Prägung erscheint mir im Falle von Jana und Teresa feiern Himmelfahrt schlicht unterkomplex.