Mehr als das? (Patrick Ness, Mehr als das)

Die Empfehlungsliste zum diesjährigen Kinder- und Jugendbuchpreis der Deutschen Bischofskonferenz ist erschienen, einer meiner Favoriten (Kirsten Boie, Schwarze Lügen, Oetinger 2014, 978-3-7891-2015-2) ist nicht darauf, dafür manches, was ich bisher noch nicht gelesen habe: Arbeit also. Deshalb hier vorerst kurze, leicht irritierte Bemerkungen zu Patrick Ness, Mehr als das,  cbt 2014, 978-3-570-16273-6 – und die, ohne allzu viel vom Inhalt zu verraten. So viel – kaum über den Klappentext hinausgehend: es geht um den Tod und das, was danach kommt, es geht um den Tod und das, was er aus Menschen macht, aber die Antwort, die der Roman (nicht) gibt, irritieren mich. Nicht, dass ich die Idee, es müsse – oder könne zumindest –

Mehr als das.

geben, für abwegig hielte. Aber auch, wenn das Buch spannend ist, überrascht und zum Nachdenken anregt, gibt es doch durch die Art und Weise, wie es sein Thema inszeniert, Antwortperspektiven vor, Pfade, in denen sich mögliches Nachdenken und Antwortsuchen bewegt. Und diese Pfade scheinen mir nicht ganz in das Zielspektrum des Preises zu passen. Ich habe den Eindruck, dass die Romanhandlung eine Art Reversibilität des Todes, eine Art Wiedergeburtsszenario andeutet, die sich so in den großen Religion weder des Westens noch des Ostens findet – und die auch nicht geeignet ist, sich mit den Phänomenen von Tod und Schuld, Liebe und Versöhnung auseinanderzusetzen. Vielmehr liegt das, was schon Hegel als die „schleche Unendlichkeit“ beschrieben hat, in ihrer Spur: eine Vergleichgültigung des Je-Einmaligen durch Perpetuierung von Zeit, durch grenzenlose Wiederholbarkeit und immer neue Chancen.

Aber vielleicht habe ich ja auch nur nicht genau genug gelesen?