„Überall sonst war woanders, nur nicht dort, wo wir wohnten“ (Joke van Leeuwen, Als mein Vater ein Busch wurde und ich meinen Namen verlor)

Der Eindruck, dass

„woanders“ (Joke van Leeuwen, Als mein Vater ein Busch wurde und ich meinen Namen verlor, üb. Hanni Ehlers, Hildesheim 2012, 5 u.ö.)

das große Thema der Bücher auf der diesjährigen Empfehlungsliste des Katholischen Kinder- und Jugendbuchpreises ist, drängt sich geradezu auf. Außerirdisch ist woanders titelt Susann Opel-Götz (Hamburg 2012) und bearbeitet Rand- und Außenseiterpositionen in unserer Gesellschaft, die die Wirklichkeitserfahrung des Protagonisten Jona in Frage stellen, und gibt der Frage, wo hier und wo woanders ist, bis in den Buchtitel Raum.  Michael Rohers Zugvögel sind die Unbekannten, die Heimat suchen, weil sie woanders keine finden. Frank Cottrell Boyce, Der unvergessene Mantel, Hamburg 2012, findet die Mongolei irgendwo in der Nähe von Liverpool, Craig Silvey, Wer hat Angst vor Jasper Jones, Reinbek bei Hamburg 2012, kreist um das Außenseitersein im Australien der 1960er Jahre ebenso wie um das nach Identität suchende Außenseitersein Jugendlicher, die Exterritorialität zur oder der eigenen Kindheit. Und auch der Buddha-Boy (Jordan Sonnenblick, Hamburg 2012, üb. von Gerda Bean) San Lee sucht woanders nach sich selbst – die Aufzählung lässt sich fortsetzen.

Woanders: es sind Geschichten von Perspektiverweiterungen und Perspektivwechseln, für religiöses Lernen fundamental, die in diesem Jahr ausgezeichnet wurden. Hinter den Texten und ihrer Auswahl wird die Frage nach dem, wie unsere Wirklichkeit verstanden, „gelesen“ und gelebt werden kann, hörbar: als Frage nach der „religious literacy“ längst im bildungstheoretischen Diskurs angekommen. Die produktive Verunsicherung, die Charlie (Wer hat Angst vor Jasper Jones) oder Jona (Außerirdisch ist woanders) durchleben oder die Rita (Heinz Janisch, Rita, Berlin 2012) personifizieren, kann ein Einstieg in welterschließende und den Raum des Religiösen eröffnende Lernwege sein.